Leiten lernen

Deinen Charakter reifen lassen

Wie kann man als Leiter standhaft bleiben?
Das K5-Leitertraining hat fünf Kernkompetenzen identifiziert, die helfen, gesund zu leiten. Ein Baum zeigt diese Kompetenzen, die wir in einer Mini-Serie vorstellen. Beim Stamm geht es darum, auch in herausfordernden Situationen standhaft zu bleiben.

Gottesbeziehung, Charakter, Selbstkompetenz, Führungskompetenz und Fachkompetenz – das sind die fünf Kernkompetenzen, deren Entwicklung zu einer gesunden und wirksamen Leitung führen. Das Bild eines Baumes hilft, sich bewusst zu machen, dass Leiten ein ganzheitliches Prinzip ist, in dem die Entwicklung aller Kernkompetenzen wichtig ist. Die Priorität liegt dabei auf den ersten beiden Kompetenzen – der Gottesbeziehung und dem Charakter, da sie zu einem stabilen und gesunden Ganzen führen.

Dein Charakter ist ein Teil der Persönlichkeit, gemeinsam mit dem Temperament. Bei ihm geht es nicht darum, ob wir laut oder leise sind, langsam oder schnell. Sondern darum, ob wir geizig sind oder grosszügig. Unzuverlässig oder verbindlich. Ein Besserwisser oder ein demütig Lernender. Um im Bild des Baumes zu bleiben: Wenn wir unseren Charakter entwickeln und reifen lassen, dann wird der Stamm stärker und kann schlussendlich dadurch mehr Früchte tragen und bricht nicht unter dem Gewicht von Leitung.

Werde ich zu der Person, die ich sein will?

Diese Frage bewegt mich seit Monaten. Und ich meine mit der Frage nicht die eigene Selbstverwirklichung, sondern meine tiefe Berufung: Werde ich Jesus ähnlicher? Mache ich wirklich die Dinge, die ich tun will? Leite ich die Menschen, die mir anvertraut sind, mit einem Herzen, das Gott ehrt? Oder geht unterwegs durch Eile und Stolz die Liebe zu Gott und Menschen verloren? Die harten Fragen an mich selbst lauten so: Mache ich nur die Dinge, die ich machen will? Habe ich die Position, die ich haben will? Oder werde ich in dem Prozess weiterhin Jesus ähnlicher? Ist das Ergebnis meiner Leiterschaft, dass Menschen Jesus in meinem Sein und Handeln erleben?

Ich wünsche mir, dass «Charakterentwicklung» ein mit Freude besetztes Wort wird. Dass wir als Gesellschaft nicht an «Ich bin noch nicht gut genug» oder «Ich kann nie ruhen, ich muss immer besser werden» denken. Sondern Gottes Werben dahinter sehen. Die Einladung, dem Heiligen Geist Raum in unseren Herzen zu geben, damit er in uns und durch uns immer sichtbarer wird. Mit seiner Güte, seiner Liebe, seiner Geduld. Seiner Grosszügigkeit, seinem Blick für den Menschen. Seinem Frieden. Seiner Schönheit. Seiner Herrlichkeit. (2. Korinther Kapitel 3, Vers 18)

Im Charakter zu reifen ist ein Liebesbeweis gegenüber Gott, uns selbst und unseren Mitmenschen. Es macht Gottes Kultur, so wie er sich Leben vorstellt, für Menschen erlebbar.

Wem will ich gefallen?

Zu entdecken, dass der eigene Charakter noch an einigen Stellen reifen darf, ist nicht das Problem, es ist sogar notwendig. Nur dann kann sich etwas verändern! Problematisch wird es da, wo wir das Entdeckte vertuschen wollen – oder schönreden. Uns verteidigen, anstatt ehrlich vor Gott und Menschen zu werden. Vergebung zu empfangen und dem Heiligen Geist zu erlauben, den Charakter zu reinigen. Denn am Ende steht die Frage: Wem will ich gefallen? Gott oder Menschen? Suche ich nach Anerkennung? Habe ich Angst vor meinen Unzulänglichkeiten? Vor Ablehnung? Oder vertraue ich Gott, dass er gut ist und es gut mit mir meint? Dass er voll Liebe meine wunden Punkte und blinden Flecke berührt und Veränderung schenkt. Dass er sich freut, wenn ich ehrlich vor ihn komme und mich nach seiner Kraft ausstrecke.

In den kommenden Wochen führen wir die Serie zu den Kernkompetenzen der Leiterschaft weiter. Mehr Informationen zum K5 Leitertraining finden Sie hier.

Zum Thema:
Leiten lernen: Die Gottesbeziehung vertiefen
Lothar Krauss: Zusammengefasst: 10 Top-Prinzipien guter Leitung (Teil 1)
Thomas Härrys Aufruf: «Es braucht Menschen mit Gestaltungsmut!»

Datum: 08.04.2024
Autor: Natalie Mantai
Quelle: Magazin Aufatmen 2/2023, SCM Bundes-Verlag

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